Wissenschaftliches Schreiben

Wissenschaftliches Schreiben – Einfach erklärt + Checkliste

Wie schreibt man das jetzt? Und vor allem: Wie schreibt man das wissenschaftlich richtig? Wir zeigen dir, worauf du achten solltest und geben dir praktische Profi-Tipps für die wissenschaftliche Arbeit.

Was ist Wissenschaftliches Schreiben?

Wissenschaftliches Schreiben ist im Grundsatz vom journalistischen oder erzählenden Schreiben zu unterscheiden. Natürlich gelten hier die Regeln der Rechtschreibung und Grammatik ebenfalls (und die solltest du auch gerade in der Wissenschaft unbedingt beachten), stilistisch und formal gibt es aber einige besondere Herausforderungen zu meistern.

Für wissenschaftliche Texte brauchst du eine „objektive, wissensvermittelnde Sprache“ (Träger 2018, S. 1)[1]  sowie gründliche Belege für praktisch alles, was du tust. Letzteres betrifft sowohl die Übernahme von Erkenntnissen aus anderer Forschung und fremden Werken im Allgemeinen, aber auch für Definitionen und deine eigene Vorgehensweise.

Wie kann man wissenschaftlich schreiben?

Unter „wissensvermittelnder Sprache“ und „gründlichen Belegen“ kannst du dir jetzt vermutlich noch nicht ganz so viel vorstellen. Deshalb folgen jetzt einige konkretere Hinweise, an denen du dich orientieren kannst.

Formalitäten

Schon rein formal gibt es einige Anforderungen, die die wissenschaftliche Qualität deines Textes beeinflussen. Für die richtige Verwendung von beispielsweise Zahlen und Zeichen bestehen verschiedene Richtlinien, sogar DIN-Normen wurden dafür geschaffen. Der Grundsatz, dass Zahlen bis einschließlich zwölf und ohne Komma ausgeschrieben werden, gilt auch für wissenschaftliche Texte.

Auch ein einheitlicher Umgang mit dem Thema Gendern ist wichtig. Das generische Maskulinum wird heute an vielen Universitäten nicht mehr gern gesehen. Stattdessen gibt es verschiedene Möglichkeiten, alle Geschlechter mit einzubeziehen.

Ob du dich nun (wie in diesem Text) für ein Gendersternchen entscheidest („Autor*in“), einen Doppelpunkt („Autor:in“) oder eine ganz andere Variante (siehe dazu z.B. die Hinweise der Universität Leipzig) wählst, liegt letztlich bei dir und deinen Prüfer*innen. Wichtig ist, dass du am Ende eine Richtung durchziehst.

Allgemeinere Informationen zu diskriminierungsfreier Sprache (auf Englisch) findest du beispielsweise auch bei der APA, der American Psychology Association, die auch einen bekannten Zitationsstil etabliert hat.

Damit wären wir auch beim nächsten formalen Punkt: Belege all deine Quellen. Direkte und indirekte Zitate müssen gekennzeichnet und das Werk im Literaturverzeichnis aufgeführt werden. Auf diese Weise verhinderst du Plagiate. Außerdem zahlt dieses Vorgehen ebenfalls auf die Nachvollziehbarkeit ein.

Präzise, aber leserlich

Verzichte auf Worthülsen und leere Sätze, verwende stattdessen möglichst treffende Wörter. Die Fragen, die du dir dabei stellst, sollten lauten: Sag ich wirklich, was ich meine und ist das wirklich schon alles? Beschreibst du etwas als „groß“, solltest du eine Maßangabe oder einen Rahmen („bis XYZ Meter“) mit angeben.

Wenn du die Methodik einer anderen Arbeit „gut“ findest, mache deutlich, was genau daran gut ist. Auf Formulierungen wie „irgendwie“ solltest du ebenfalls verzichten. Auch direkte Zitate und indirekte Verweise können zu mehr Präzision beitragen. Fachwörter kannst und sollst du gerne verwenden, allerdings nur, wenn du dir ihrer Bedeutung absolut sicher bist (siehe dazu auch Kühtz 2018[2] ).

Wenn du erst einmal im Schreibfluss bist, können sich aber auch Fehler einschleichen. Achte darauf, Gegenstände, Pflanzen, Tiere und sonstige Objekte nicht zu vermenschlichen. Ein Beispiel dafür wäre: „Der Fluss bahnt sich seinen Weg durch das Gestein.“ Ob Metaphern überhaupt dem wissenschaftlichen Standard entsprechen, ist durchaus umstritten. Solche Stilmittel solltest du also sehr dosiert einsetzen.  

Bei aller Wissenschaftlichkeit darfst du aber auch deine Leserschaft nicht aus dem Blick verlieren. Natürlich möchtest du, dass man deiner Arbeit folgen kann und dafür sorgen, dass das Publikum nicht nach zwei Seiten einschläft. Lange Sätze entstehen beispielsweise schnell, wenn du komplexe Gedanken zu Papier bringen möchtest.

Allerdings stören sie oftmals den Lesefluss. Für mehr Übersichtlichkeit sollten die Sätze nicht über zu viele Zeilen gehen – setze im Zweifel besser einen Punkt mehr, statt die fünfte Komma-Konstruktion zu bauen.

Reflektiert, aber nicht subjektiv

Laut Träger (2018) gehört zum wissenschaftlichen Standard auch eine „kritische Distanz zu fremdem Wissen“ (S.1). Das bedeutet, dass du nicht nur zusammenführst, was andere Autor*innen geschrieben haben, sondern dass du sie einordnest. Passen die verschiedenen Ausführungen zusammen? Was fällt besonders auf?

Subjektive Bewertungen wie „grandios“ oder „enttäuschend“ haben insbesondere im Hauptteil der Arbeit nichts verloren. Erstens sind sie im wissenschaftlichen Sinne nicht unbedingt nachvollziehbar. Zweitens liegt eine Stolperfalle in impliziten Bewertungen.

Es gibt Begriffe und Formulierungen, die bestimmte Konnotationen hervorrufen und deshalb zu vermeiden sind. Wie gesagt: Es geht nicht darum, auf Bewertungen grundsätzlich zu verzichten – sie müssen aber fundiert und für den Leser intersubjektiv nachvollziehbar sein.

Wörter wie „ich“, „wir“ und „man“ sollten nur in Maßen und an bestimmten Stellen verwendet werden. Wenn du beispielsweise eine Entscheidung für oder gegen eine Methode getroffen hast, darfst du auch aus deiner Perspektive schreiben. Umgehen kannst du diesen „Eiertanz“ aber, indem du passive Formulierungen („XYZ wurde genutzt, um ABC“) oder Nominalisierungen („Diese Methodik ermöglicht XYZ“, „Im Hinblick auf XYZ zeigt sich ABC“).

Für weitere Informationen zum wissenschaftlichen Schreiben siehe beispielsweise das Schreibportal der Uni Leipzig.

Wie arbeite ich wissenschaftlich?

Wissenschaftliches Arbeiten zeichnet sich durch Systematik und Nachvollziehbarkeit beziehungsweise Wiederholbarkeit aus. Das bedeutet, dass dein Vorgehen begründet sein muss und gleichzeitig von anderen Forscher*innen anhand deiner Ausführungen (theoretisch) nachgemacht werden könnte. So könnten sich deine Ergebnisse überprüfen und / oder erweitern lassen.

Dein Arbeitsplan könnte in etwa so aussehen:

Thema begrenzen und Frage formulieren
Gliederung festlegen
Schreiben. Dabei auch immer wieder lesen, was du vorher formuliert hast. Einleitung und Fazit üblicherweise zum Schluss
Korrekturlesen (lassen)

Außerdem sollte deine Arbeit üblicherweise einer bestimmten Struktur folgen. Es gibt ein Deckblatt und ein Inhaltsverzeichnis. Das erste Kapitel (und der Beginn deiner Seitenzählung) ist die Einleitung, dann folgt der Hauptteil mit den theoretischen Hinführungen, Definitionen, der Methodik und den Ergebnissen.

Abschließend formulierst du das Fazit. Danach kommt nur noch das Literaturverzeichnis sowie – gegebenenfalls – der Anhang.

Für weitere Tipps, siehe unseren Beitrag zum Wissenschaftlichen Arbeiten.

FAQ

Checkliste

Folgende Aspekte solltest du abschließend checken:

  • Stimmen die Formalitäten?
  • Habe ich den richtigen Stil gewählt?
  • Ist die Arbeit vollständig?

 

Quellen:

[1] Träger, T. (2018). Zitieren 2.0: Elektronische Quellen und Projektmaterialien richtig zitieren. 2. Aufl. Verlag Franz Vahlen.
Google Books

 [2]Kühtz, S. (2018). Wissenschaftlich formulieren: Tipps und Textbausteine für Studium und Schule. (5. Aufl.). utb.
Google Books

Bearbeitet am: Mai 15, 2021

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