Hervorragende Einleitung schreiben
Studium

Hervorragende Einleitung schreiben – Beispiel + Checkliste

So, wie du dich vor einem harten Workout warm machen solltest, braucht auch die Leserschaft deiner wissenschaftlichen Arbeit eine gewisse Vorbereitung – die Einleitung. Wir geben dir praktische Tipps an die Hand, um eine hervorragende Einleitung zu schreiben und diese Hürde zu meistern.

Definition: Einleitung          

Akademische Arbeiten bestehen im Kern aus drei Teilen: Einleitung, Hauptteil und Schluss. In der Einleitung wird das Ziel der Arbeit beschrieben und die leitende Forschungsfrage definiert. Außerdem sollte es eine Relevanzbegründung geben, also eine Erklärung dazu, wieso diese Forschung wichtig ist.

Es werden Grenzen gesetzt, welche Bereiche beleuchtet oder gegebenenfalls auch nicht beleuchtet werden und erklärt, wie die Arbeit aufgebaut ist. Das heißt, es gibt einen ersten Überblick zur Methodik und eine kurze Beschreibung der Inhalte. Gerade Letzteres sollte im Idealfall über eine reine Auflistung der Kapitel hinausgehen. Es geht also nicht nur um die Nennung der Namen, sondern auch um Verknüpfungen, Zusammenhänge und Argumentation.

Auch, wenn die Einleitung am Anfang des Textes steht, wird sie üblicherweise am Ende des Arbeitsprozesses geschrieben. Erst wenn du weißt, worauf der Aufsatz abzielen soll und welchen Fahrplan du genau verfolgst, kannst du eine passende Einleitung verfassen.

Aufbau und Länge der Einleitung 

Es geht in diesem Teil der Arbeit darum, die Leserschaft an die Hand zu nehmen und das Thema angemessen einzuleiten (logisch, schließlich steht über diesem Kapitel das Wort „Einleitung“). Was heißt das konkret?

Zuerst benötigst du einen ansprechenden Einstieg, der Aufmerksamkeit weckt. Weiter erklärst du, wieso das Thema in diesem Feld wichtig ist und leitest daraus das Ziel sowie die Fragestellung ab. Anschließend erklärst du, mit welchen Methoden die Antwort auf die Frage gefunden wird. Außerdem solltest du den Aufbau deiner Arbeit beschreiben und erläutern. So bekommen die Lesenden auf den ersten Seiten ein genaueres Bild davon, was sie auf den nächsten Seiten erwartet. Beachte auch hier, dass es sich bei diesem Aufbau nur um eine Möglichkeit handelt, wie die Einleitung sinnvoll aufgebaut werden kann. Die genannten Punkte sollten in allen Einführungskapiteln enthalten sein, die Reihenfolge ist aber nicht in Stein gemeißelt.

Als grober Richtwert zur Länge der Einleitung gelten fünf bis fünfzehn Prozent des Gesamttextes. Bei einer 20-seitigen Hausarbeit wären das also eine bis zweieinhalb Seiten, für eine 60-seitige Bachelorarbeit kannst du mit drei bis sechs Seiten rechnen. Bedenke aber, dass es sich hierbei ebenfalls nur um eine Orientierungshilfe handelt. Grundsätzlich gilt: So konkret wie möglich, so lang wie nötig.

Inhalt einer Einleitung        

An dieser Stelle möchten wir auf die einzelnen Teile der Einleitung noch weiter eingehen.

Einstieg

Du wählst im Idealfall einen Einstieg, der direkt zum Weiterlesen einlädt. Das kannst du mit einem besonders aussagekräftigen Zitat tun, mit einer rhetorischen Frage oder einer überraschenden Beobachtung. Es gibt natürlich kein Patentrezept für den perfekten ersten Absatz. Wenn du also eine ganz andere Idee hast, ist die grundsätzlich genauso legitim. Hauptsache, sie passt zu deiner Arbeit.

Relevanz

Weiter solltest du deutlich machen, wieso deine Thematik wichtig ist. Dabei gibt es verschiedene Dimensionen, die du berücksichtigen kannst. Beispielsweise kannst du hier eine gesellschaftliche Perspektive einnehmen. Du erläuterst in diesem Fall bestimmte Entwicklungen und beschreibst, wie die Auseinandersetzung mit diesem Thema den Diskurs voranbringen kann. Aus einem wirtschaftlichen Blickwinkel argumentierst du zum Beispiel, wie deine Arbeit Lösungen zu Problemen im Unternehmenskontext liefern kann.

Auch eine wissenschaftliche Herangehensweise ist denkbar. Wenn Du etwa eine Forschungslücke ausgemacht hast oder die Anwendbarkeit von Konzepten auf bestimmte gesellschaftliche oder wissenschaftliche Bereiche überprüfen möchtest, kann das auch als Relevanzbegründung dienen.

Oft lassen sich hier aber auch Anknüpfungspunkte zu anderen gesellschaftlichen Teilbereichen finden und diese solltest du (zusätzlich) nutzen. Ein Beispiel: Gäbe es noch keine Forschung zum Einfluss von Facebook-Beiträgen auf das Vertrauen in Politiker*innen, könnten entsprechende Studien einen Beitrag zum Erschließen des Feldes Politikwissenschaften leisten. Allerdings ist das nicht nur für die Politikwissenschaft relevant, sondern auch für die praktische Arbeit von Politiker*innen. Versuche also, nach Möglichkeit auch Argumente über die Wissenschaft hinaus zu finden.

Fragestellung und Zielsetzung

Die Grenze zwischen Relevanz und Zielsetzung ist oft fließend. Denn Ziele können zum Beispiel das Schließen von Forschungslücken sein oder der Wunsch, ein Beitrag zu einem gesellschaftlichen bzw. wissenschaftlichen Diskurs zu leisten. Dennoch solltest du versuchen, beide Aspekte zu behandeln und explizit aufzuzeichnen.

Konkretisiere wenn möglich diese Ziele noch weiter zu einer Forschungsfrage, auf die du dann spätestens im Fazit eine Antwort geben kannst. Die Frage sollte möglichst konkret sein und –natürlich – in deiner Arbeit auch wirklich beantwortet werden. Damit grenzt du auch deinen Untersuchungsgegenstand ein. Du kannst erwähnen, welche Bereiche du absichtlich ausklammerst und bei Bedarf direkt wichtige Begriffe definieren.

Methodik

Deine methodische Beschreibung umfasst bei empirischen Arbeiten meist Erklärungen zum Analysematerial, zur Erhebung und zu den Auswertungsverfahren. Handelt es sich bei deiner Arbeit um eine Literaturstudie, kannst du hier auf die berücksichtigen Quellen eingehen. In der Einleitung müssen dies keine seitenlangen Ausführungen sein, vielmehr vermittelst du einen ersten Überblick.

Struktur der Arbeit

Apropos Überblick: Mit einer kurzen Beschreibung deiner Vorgehensweise sorgst du dafür. Erkläre, wie die Kapitel aufeinander aufbauen und wie sie zu deinem Erkenntnisziel beitragen. Du musst hier nicht jeden Aspekt deines Hauptteils aufgreifen, sondern gezielt und gut leserlich einen Ausblick geben. Dieser Teil kann gleichzeitig auch den Abschluss deiner Einleitung bilden.

Funktion der Einleitung      

Eine wissenschaftliche Arbeit ist kein Roman, kein Märchen und kein Zeitschriftenartikel. Das ist dir klar und du weißt, dass hier gerade im Hauptteil stilistische Unterschiede bestehen. Deine Einleitung verfolgt aber in ihrem tiefsten Innern dasselbe Ziel wie der Beginn dieser unterhaltenden Formate.

Bekanntlich gibt keine zweite Chance für den ersten Eindruck und deshalb wird der Einleitung auch eine entsprechende Bedeutung beigemessen. Sie ist „Eye-Catcher“ und Leitfaden zugleich.

Häufige Fehler bei der Einleitung

Bestimmte Fehler schleichen sich immer wieder in Einleitungen ein. Damit dir das nicht passiert, haben wir einige Fallstricke für dich gesammelt:

  • Aus persönlicher Perspektive schreiben: Dieser Punkt gilt insbesondere für die Relevanzbegründung. „Ich finde das spannend“ oder „In meiner Familie gibt es viele Fälle von XYZ, deshalb möchte ich das Phänomen untersuchen“ gehören hier nicht hin. Greife stattdessen auf Aspekte aus dem wissenschaftlichen Diskurs zurück.
  • Inhaltsverzeichnis abschreiben: Du musst die Kapitel nicht nur nennen, denn dies lässt kann jede*r einige Seiten vorher nachlesen. Fokussiere dich lieber auf die Begründung dieser Struktur
  • Der rote Faden fehlt: Du kannst alle oben genannten Bereiche abarbeiten und doch erscheint die Einleitung holprig. Achte auf sinnvolle Verknüpfungen und einen möglichst guten Lesefluss, um dein Publikum bei der Stange zu halten.
  • Begründungen fehlen: Auch wenn dir beim Schreiben einige Schritte vielleicht sehr trivial erscheinen, solltest du deine Entscheidungen immer begründen. Und zwar im besten Fall aus der Theorie, nicht (nur) nur organisatorischen Gründen.   

Für Hinweise zu weiteren vermeidbaren Fehlern, siehe beispielsweise diesen XING Beitrag. Für tiefergehende Informationen kannst Du auch in das Buch von Helga Esselborn-Krumbiegel (2020) schauen.

Beispiel Einleitung

Zum Abschluss haben wir dir ein Beispiel für eine Einleitung mitgebracht und auch die einzelnen inhaltlichen Teile markiert. Es handelt sich hierbei um die Einleitung zu einer 15-seitigen Hausarbeit zur Wissenschaftstheorie. Du siehst hier, wie sich Ziele, Forschungsfragen und Relevanzbegründungen formulieren und wie sich die einzelnen Teile zusammenfügen lassen können.

Beispiel Einleitung zugeschnitten 1
Beispiel Einleitung

FAQ

Checkliste

  • Hast du deine Leser*innen in das Thema eingeführt und die Relevanz erörtert?
  • Hast du eine konkrete Forschungsfrage formuliert?
  • Hast du den Forschungsablauf und die Struktur deiner Arbeit erklärt?

Bearbeitet am: April 7, 2021

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