Sekundärzitat

Das Sekundärzitat – Was ist das eigentlich?

Beim Schreiben deiner wissenschaftlichen Arbeit kann es sein, dass du Gebrauch von einem sogenannten Sekundärzitat machen musst. Wir erklären dir, was genau das ist und worauf du beim Sekundärzitat in wissenschaftlichen Arbeiten achten solltest.

Was ist ein Sekundärzitat?

Ein Zitat, dessen Originalquelle du nicht vorliegen hast, bezeichnet man als Sekundärzitat. Du übernimmst in diesem Fall also ein (direktes) Zitat aus einem anderen Text. Das heißt, du nutzt ein Zitat aus zweiter Hand.

Es ist an dieser Stelle sehr wichtig, dass du deutlich kennzeichnest, dass du den Originaltext nicht vorliegen hast beziehungsweise ihn nicht gelesen hast.

Wenn sich dann zum Beispiel in das Zitat deines verfügbaren Texts ein Fehler eingeschlichen hat, kann es passieren, dass du diesen einfach überträgst. Aber selbst, wenn es sich nicht um ein inhaltlich oder sprachlich falsches Zitat handelt, gehören nicht gekennzeichnete Sekundärzitate in den Bereich der Plagiate – und das möchtest du natürlich vermeiden[1].

Sekundärzitate richtig zitieren

Daraus ergibt sich natürlich die Frage, wie man denn ein solches Plagiat verhindern kann. Sekundärzitate selbst sind in der Forschungspraxis tatsächlich üblicherweise nur eine Notlösung. Wenn irgendwie möglich, solltest du versuchen, Zugriff auf die Originalquelle zu erhalten. Das kann etwas mühsam sein, aber gerade in Abschlussarbeiten sind Sekundärzitate nicht gern gesehen. Außerdem kann das Originalmaterial ja auch noch mehr Mehrwert bieten als nur die Überprüfung eines bestimmten Satzes oder Abschnitts.

Sekundärzitate nach Zitationsstil

Es gibt allerdings Situationen, in denen sich auch mit Fernleihe, Anschaffungsvorschlägen deiner Bibliothek und VPN-Verbindung deiner Universität bestimmte Aufsätze oder Bücher einfach nicht auftreiben lassen. Für diesen Fall gibt es beispielsweise von der American Psychology Association (APA), von der du bestimmt im Kontext von Zitationsstilen gehört hast, einige Empfehlungen.

Konkret gibst du im Fließtext zuerst die Originalquelle mit Name(n) und Jahr an und ergänzt dann nach einem Komma „zitiert nach [Name / Kürzel der Sekundärquelle], [Jahr der Sekundärquelle]“. Nähere Ausführungen dazu gibt es auch im vollständigen Manual der APA.

Diese Empfehlung bezieht sich vor allem auf die Zitation im APA-Stil, bei anderen Zitationsstilen wie der Deutschen Zitation kann das (geringfügig) anders aussehen. Denn in der Deutschen Zitation gibt es bekanntlich Fußnoten, keine Im-Text-Verweise. Überhaupt gibt es beim Format der Zitation durchaus Unterschiede auch in Abhängigkeit von deiner Universität oder deinem Institut.

So schreibt ein Leitfaden des Fachbereichs Erziehungswissenschaften an der Uni Bielefeld folgende Zitation vor: [Nachname der Originalquelle] [Jahr der Originalquelle], zit. n. [Sekundärquelle] [Jahr der Sekundärquelle], [Seite in der Sekundärquelle].

Die Uni Trier beschreibt dagegen die Fußnote für ein Sekundärzitat in ihrer Deutschen Zitation wie folgt: [Nachname Originalquelle], [Erster Buchstabe vom Vornamen der Originalquelle mit Punkt] [Seitenzahl in Klammern], [Seitenzahl in der Originalquelle], Zitiert nach: [Nachname Sekundärquelle], [Erster Buchstabe der vom Vornamen mit Punkt] [Jahreszahl in Klammern].

In Anlehnung an die Harvard-Zitation beschreibt ein Leitfaden der TU Berlin für das Fach Kommunikationswissenschaft die Struktur [Nachname Original] [Jahreszahl]: [Seitenzahl Original], zit. n. [Nachname Sekundärquelle] [Jahreszahl]: [Seitenzahl Sekundärquelle].

Das klingt jetzt alles sehr komplex. Greifen wir also auf ein fiktives Beispiel zurück:

Beispiel Sekundärzitat

Stell dir vor, du findest das Zitat „Alle Dackel haben einen langen Körper“ (Tom Müller, 1968, S. 8) in einem Buch von Horst Schmidt aus dem Jahr 2002 auf Seite 50. Du möchtest dieses Zitat unbedingt nutzen, das Buch von Herrn Müller ist aber absolut nicht aufzufinden. Dann können deine Verweise wie folgt aussehen:

APA: (Müller, 1968, zitiert nach Schmidt, 2020)

Leitfaden Bielefeld: (Müller 1968, zit. n. Schmidt 2002, S. 50)

Leitfaden Trier in der Fußnote (Anlehnung an Deutsche Zitierweise): Müller, T. (1968), S. 8, zitiert nach Schmidt, H. (2002).

Leitfaden TU Berlin (Anlehnung an Harvard): (Müller 1968: 8, zit. n. Schmidt 2002: 50) 

Indirekte Sekundärzitate   

Auch für indirekte Zitate gilt es, Sekundärzitate möglichst zu vermeiden. Ansonsten ergibt sich schnell eine Art Zitationskette, bei der die ursprüngliche Aussage durch vielfaches Paraphrasieren möglicherweise verfälscht wird. Informationen, die ein Autor aus anderen Quellen übernommen hat, solltest du also im Original nachlesen.

Nur, wenn dies nicht möglich ist, kennzeichnest du zur Plagiatsvermeidung wieder den „Zweitverwertungscharakter“ mit einem „zitiert nach“. Beachte hierbei die Besonderheiten der indirekten Zitate in bestimmten Zitierweisen wie das „vgl.“ im Deutschen Stil oder das Auslassen von Seitenzahlen bei der APA.

Wenn du also beispielsweise das oben angegebene Zitat nicht direkt übernehmen möchtest, sondern nur indirekt, könntest du schreiben:

Hunderassen wie Dackel weisen eine besondere Körperform auf, auffällig ist ihr langgezogener Rumpf (Müller, 1968, zit. n. Schmidt, 2002). 

Das gilt auch, wenn dein Original kein direktes Zitat ist (wie in unserem Beispiel), sondern ebenfalls ein indirektes. Schreibt Schmidt also „Studien wie die von Müller (1968) zeigen, dass Dackel besonders lange Körper haben“, sieht dein Sekundärzitat wie in diesem Absatz beschrieben aus.

Sekundärzitate im Literaturverzeichnis

Laut APA-Richtlinie sollst du im Literaturverzeichnis nur die Sekundärquelle aufnehmen, also in unserem Beispiel Schmidt 2002. Schließlich ist das auch die Quelle, auf die du dich direkt beziehst. Dementsprechend gehört das Original in ins Literaturverzeichnis.

Auch in diesem Punkt kannst du in den allermeisten Fällen am besten Rücksprache mit deinen Dozent*innen halten. Letztlich geht es – wie immer beim Zitieren um das Nachvollziehbar machen fremden Gedankenguts und um eine einheitliche Lösung.

Allein an den vielen verschiedenen Regelungen merkst du vermutlich, wie schwierig das Thema „Sekundärzitat“ ist. Setze also wirklich alle möglichen Hebel in Bewegung, um die Originalquelle eines Zitats zu organisieren, egal ob direkt oder indirekt.

Musst du dann doch einmal auf ein Sekundärzitat zurückgreifen, bekommst du aber auch das bestimmt hin!

FAQ   


Quelle

[1] Citavi (2018): Zitieren Sie nicht blind. Warum Sie Sekundärzitate vermeiden sollten. https://www.citavi.com/de/nuetzliche-irrtuemer/artikel/zitieren-sie-nicht-blind.

Bearbeitet am: Juli 30, 2021

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